Menhire von Carnac

LIeu-dit le Ménec - Carnac, France

Die Menhire von Carnac – der stille Ort der Kraft

Die Menhire von Carnac, einer Gemeinde an der französischen Atlantikküste, bestehen grösstenteils aus dem regionalen Granitgestein der Bretagne. Es handelt sich um ursprünglich über 3000 Menhire, die in Steinreihen errichtet sind. Die meisten Steinoberflächen sind mittlerweile stark verwittert und von Geflecht bedeckt. Bei den alten Steinen sind häufig Spuren einer sorgfältigen Bearbeitung zu sehen.

Die über 3 km langen Steinreihen der Menhire bilden drei Gruppen: Kerlescan, Le Menec und Kermario. Die Höhe der Steine schwankt zwischen einem halben Meter und 4 Metern, wobei die höchsten Menhire jeweils auf der westlichen Seite stehen. Aufgrund historischer Analysen wird davon ausgegangen, dass die Steinreihen ursprünglich 8 km lang waren und weitere Anlagen umschlossen: Le Petit Menec, St. Barbe sowie Kerzerho.

Die Gruppe bzw. die Reihe Le Menec wird auf beiden Seiten von Steinkreisen beendet. An einer Stelle verändert die Reihe ihre Ausrichtung, was darauf deutet, dass Le Menec in zwei verschiedenen Phasen erbaut wurde. Die Reihe Kermario hat drei Richtungsänderungen und einen Steinkreis am westlichen Ende, dessen Reste noch zu erahnen sind. Kerlescan wird im Westen ebenfalls von einem Steinkreis beendet und umfasst 13 Reihen, die parallel zueinander verlaufen und aus sieben bis 41 Steinen bestehen. Offensichtlich stammten die Megalithen teilweise aus bereits bestehenden Blöcken, teilweise aus den benachbarten Felsen, aus denen sie gebrochen wurden.

Ursprung der Menhire von Carnac

Der Ursprung der Menhire von Carnac stammt aus der mitteleuropäischen Jungsteinzeit, die um 4500 vor Christus begann. Genutzt und erweitert wurden die Megalithanlagen bis ca. 2300 vor Christus. Im Allgemeinen werden die Steinreihen in der Bretagne auf das Spätneolithikum datiert, das von 3500 bis 2800 vor Christus dauerte. Da es nur wenige Skelettreste und Keramikfunde gibt, fällt die Datierung jedoch schwer. Auch eine spätere Erbauung der Menhir-Reihen ist daher möglich.

Laut einer Legende entstanden die Menhire von Carnac, als der Römer Cornelius fliehen musste, weil er sich wehrte, dem Kriegsgott Mars ein Opfer zu spenden. Cornelius floh aus Rom bis an die Atlantikküste der Bretagne. Der Kaiser von Rom sandte eine Armee aus, um ihn zu verfolgen und gefangen zu nehmen. Cornelius schickte eindringliche Gebete zu Gott, woraufhin sich die Armee in Steine verwandelte. Diese und weitere Mythen ranken sich um die geheimnisvollen Megalithanlagen von Carnac. Noch immer fehlen historische Belege, sodass man bei der Bedeutungs- und Entstehungsgeschichte allein auf Schätzungen und Vermutungen angewiesen ist. Wegen der Anordnung der Menhire von Carnac, die nicht weit hinter der Küste aufgereiht sind, sind die Forscher der Meinung, dass die früheren Megalith-Einwohner der Region Seefahrer waren. Für das Aufstellen und Bearbeiten der schweren Steine war die Zusammenarbeit vieler Menschen notwendig, was auf ein damals hochentwickeltes soziales Leben hinweist.

Die Kulturgeschichte der Bretagne und die Steine in Carnac weisen auf eine alte Religion hin, nach der die Menhire wahrscheinlich zur Totenverehrung errichtet wurden. Noch heute lassen sich die Besucher von der mystischen Stimmung verzaubern, die von den gigantischen Megalithanlagen ausgeht. Damit sind die Menhire von Carnac mehr als eine archäologische Stätte und locken jedes Jahr zahlreiche Pilger an.

Ich war vor 30 Jahren selbst einmal dort und habe in diesem Menhirenfeld gestanden. Ich kann mich noch heute gut daran erinnern, wie ich an einer Stelle in der Anlage ringsherum nur noch Megalithen gesehen habe und die vorherrschende, absolute Stille, der sogar die Insekten und Vögel gehorchten. – Ein wahrhaftig magischer Ort!