Starb Sherlock Holmes wirklich bei den Reichenbachfällen ? 2017-03-19T00:41:39+00:00

 
 
 

Im Text über den Reichenbachfall ist zu lesen, dass Sherlock Holmes dort zusammen mit seinem Erzfeind Professor Moriarty (so etwas wie ein Mafia-Boss des ausgehenden 19. Jahrhunderts) ums Leben kam. Ein damals weit verbreiteter Irrtum, den selbst das ganze 20. Jahrhundert noch nicht überall zu korrigieren vermochte.

In „The Final Problem“ („Sherlock Holmes, The Short Stories“, Parragon Book Service Ltd. 1995, Seiten 311 – 322) erzählt Dr. Watson bzw. Sir Conan Doyle, wie es (im Frühjahr 1891) zum Kampf zwischen Sherlock Holmes und Moriarty kam, wobei – davon war Watson überzeugt – beide zu Tode stürzten. Die zahlreichen Holmes-Leser waren aber so traurig und empört über das Schicksal ihres Helden, dass sich Conan Doyle veranlasst sah, in einer weitern Kurzgeschichte, „The Adventure of the Empty House“, dieses schlimme Ende zu korrigieren: Der Meisterbösewicht war tatsächlich zu Tode gestürzt, nicht aber der Meisterdetektiv. Auch dies ist im oben erwähnten Sammelband nachzulesen (Seiten 325 – 338). Hier ein Zitat aus dem Text der Umschlagseite:

From the early but intricate cases such as The Five Orange Pips and The Speckled Band to the heartstopping struggle with the arch enemy Moriarty at the Reichenbach Falls, it is in the short stories that the full range of Holmes’s genius can be explored. His creator – Sir Arthur Conan Doyle – tried many times to kill him off, but the popularity of his master detective was so huge that Conan Doyle was forced to write more and more adventures for the tenant of 221b Baker Street.

Wie zog sich Sir Conan aus der Affäre? Dank seiner Kenntnisse von Baritsu (the Japanese system of wrestling) blieb Holmes Sieger im Zweikampf mit Moriarty und stürzte nicht zusammen mit diesem in den Abgrund. Drei Jahre später, im Frühjahr 1894, erzählt Holmes seinem Freund Dr. Watson: The instant that the Professor had disappeared, it struck me what a really extraordinarily lucky chance Fate had placed in my way. I knew that Moriarty was not the only man who had sworn my death. There were at least three others whose desire for vengeance upon me would only be increased by the death of their leader. They were all most dangerous men. One or other would certainly get me. On the other hand, if all the world was convinced that I was dead they would take liberties, these men, they would soon lay themselves open, and sooner or later I could destroy them. Then it would be time for me to announce that I was still in the land of the living. Aufgrund dieser Überlegungen verschwand Holmes (nach einer gefährlichen Kletterpartie) heimlich aus der Schweiz und reiste dann jahrelang unter falschem Namen in der Welt umher. Nur sein Bruder Mycroft wusste, wer der norwegische Forschungsreisende Sigerson in Wirklichkeit war, und sandte ihm regelmässig Geld. Nur ungern verzichtete Sherlock Holmes darauf, Dr. Watson ein Lebenszeichen zu schicken, weil dieser sonst womöglich das Geheimnis ungewollt verraten hätte, indem er nicht so glaubwürdig voller Trauer über den angeblichen tragischen Tod seines Freundes berichtet hätte, wie er es im „Final Problem“ tat. Erst im Frühjahr 1894 führte ein neuer sensationeller Mordfall in London endlich dazu, dass der Totgeglaubte sich ganz unerwartet bei Watson meldete und – wen wunderts! – auch diesen Fall souverän löste. Diesmal war der Bösewicht ein hoch angesehener Oberst im Ruhestand und nebenbei das letzte noch auf freiem Fuss befindliche führende Mitglied der ehemaligen Moriarty-Bande. Siehe „The Adventure of the Empty House“.

Wir danken Jan und Regina Groeneweg für diesen aufschlussreichen Text.